Die Wahrheit über Enten

Enten. Diese possierlichen Tierchen. Scheinbar unbeholfen an Land herumwatschelnd, gemütlich über das Wasser treibend. Mit ihren Schnäbelchen grünteln sie sich durch die Ufer von Flüssen, Seen und Teichen. Putzig anzusehen, wenn sie mit ihrem Nachwuchs in einer Reihe dahinschwimmen. Ich sage: Bullshit. Ich habe Beweise. Ich werde hier ein für allemal den Schleier der Unschuld von diesen Ungeheuern heruntereißen auf das alle gewarnt sind, wenn sie wieder einmal das ‘Nag, nag’ einer Ente hören. Dies ist keine Geschichte für sensible Gemüter, sondern für Wahrheitssucher.

Sie beginnt vor gut 53 Jahren, am ersten Tag der großen Ferien. […]

Noch nicht erschienen.

Die japanischen Angelegenheiten eines toten Gentlemans

Für die Anthologie “Reiten Wir!” zum 175 jährigen Jubiläum Karl May

Winsten Colten war ein Gentleman wie er im Buche stand. Er war stets akkurat gekleidet, Einstecktuch und Taschenuhr in der Weste, das Hemd sorgfältig geplättet, der Bart mit Öl gepflegt und frisch gestutzt, selbst die Schuhe frei von Staub. Nicht einfach in dieser trockenen Gegend.

Sein Gesicht war friedlich. Ich hoffte, dieser Gesichtsausdruck zeugte davon, dass er sich über seinen Tod nicht allzu gegrämt hatte. Das Blut aus der Schusswunde in der Brust würde man aus seinem Anzug nicht mehr entfernen können. […]

Erschienen in: Reiten Wir!

Der Faden des Hauptmanns

Balduin räusperte sich, um den Frosch aus seinem Hals zu verdrängen. Es war einfach zu trocken hinter der Bühne. Der Staub der Jahrzehnte lag auf den Bohlen und nur dort, wo er für gewöhnlich stand, war es sauberer. Jetzt jedoch kroch der Puppenspieler zwischen der Bühne und seiner Empore herum, um die vermaledeite Öse zu finden. Irgendwie hatte sie sich während der Vorstellung aus seinem Hauptmann gelöst, nun hing der Arm der Puppe kraftlos herunter. Mit schwitzigen Fingern tastete er zwischen die Dielenbretter. Irgendwo musste sie sein. Aber außer Staub, Spinnweben und Abrissschnipseln von alten Eintrittskarten konnte er nichts finden. Entnervt gab er auf und stemmt sich mühsam nach oben. Sein Rücken vergalt es ihm mit einem stechenden Schmerz und auch seine Knie meldeten sich augenblicklich, als er sich zu seiner vollen Höhe aufrichtete.

Geistesabwesend strich er dem Hauptmann über den Kopf. Die Wollfäden seiner Frisur waren mittlerweile ganz ausgefranst. Vorsichtig, um nicht noch mehr kaputt zu machen, hob Balduin seine Puppe auf und trug sie zum Arbeitstisch; oder eher: der Arbeitsplatte in der hintersten Ecke unter den Schrägbalken der alten Scheune, in der sein Puppentheater beheimatet war. Er hängte das Holzkreuz in die Vorrichtung, damit die Fäden nicht noch weiter durcheinander gerieten. Darum würde er sich am Ende der Reparatur kümmern. Er griff nach der Zange und nahm eine neue Ringschraube auf. Die großen, grünen Augen des Hauptmanns glänzten, als würde er leben. Selbst die Lichtreflexion wirkte so echt, dass Balduin sich regelmäßig darin verlor. 

Erschienen in: Steampunk-Chroniken: Ætherwelt

Der Schattenpakt

Und eine schon länger in meinem Kopf herumgeisternde Geschichte, die mit einer anderen Idee zu etwas Neuem kollidierte. Ein High-Fantasy-Roman, klassisch: Licht gegen Schatten!

Finstere Geschichten beginnen häufig in der Mitte der Nacht, wenn die Mondbrüder tief am Himmel stehen und halb von Wolken verdeckt werden. Wenn die Raben ihr Klagelied singen und ansonsten ein Schweigen über allem liegt. Ein undurchdringlicher Nebel, der allen kommenden Schmerz in die Welt tragen wird. Diese Geschichte jedoch beginnt am Nachmittag. Sonnendurchflutete Wiesen, blühende Felder und das eindringliche Blöken einer kleinen Schafserde. Eine junge Frau, hütete gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder die Tiere, die warmen Füße im kühlen Wasser eines dahinplätschernen Baches . […]

 

»Sag mir, warum trauert das Volk?« Er ging an ihr vorbei zum Fenster und starrte wieder in die Nacht. »Morgen verliert die Steppe ein Kind, mein Fürst. Es ist kein Geheimnis, dass eure Braut nach der Empfängnis Eures Erbens vom Schatten kostet.« »Kosten?« Er schnaubte. »So nennen es die Nomaden. Wie würdet ihr es nennen, wenn mir die Frage gestattet ist, Herr?«

»Verflucht. Ich nenne es verflucht.« […]

 

»Liebt ihr sie?« Es war ein Schuss in die Sonne. Hardos Augen verrieten den Treffer, dann hatte der Fürst sich wieder unter Kontrolle. »Ihr seid ein direkter Mann.« Calren schwieg. Schweigen war eine gute Möglichkeit Antworten zu erhalten. Hardo drehte das Weinglas im Kerzenlicht und beobachtete die Reflexion: »Ich bin mit Nath’Garoth dem Fürst der Schatten verbunden, ein miserabler Ehemann, schlechter Vater und neige zu Wutausbrüchen. Das letzte, was ich sein sollte ist ‘verliebt’.«

Noch nicht erschienen.

Traumdealer am Abstellgleis

Ich war auf meinen Fellzustand nicht stolz. Alleine der Anblick deprimierte mich. Mein innerer Regenbogen bestand neben deprimierendem und tristem Grau, dem Grau toter Tauben, auch aus dem Schwarz verlorener Stunden und zerplatzter Träume. Mein äußeres Regenbogenfell bestand aus matschigem Rot, verrußtem Gelb, wurmstichigem Grün, teerverklebtem Blau und seltsam psychedelischem Violett.

«Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden jähen Bach des Lebens.» (Nietzsche)

Und zu allem Überfluss klebte es jetzt. Halbgeschmolzene Schokolade, die ich, bei jedem Versuch sie wegzubekommen, noch tiefer in mein Fell rieb. Schokolade gehörte in den Magen und nirgendwo sonst hin. Sie sorgte dafür, dass aus nichtssagenden nebligen Träumen Träume erster Güte wurden. Solche, zu denen sich eine Realitätsflucht noch lohnte. Und jetzt klebte sie in meinem Fell und ließ sich nicht einmal vernünftig abschlecken. Doch was war verblasste Eitelkeit gegen den Lohn der Anerkennung? Ich würde mit reicher Beute heimkehren, wenn ich diese verdammte Tüte endlich aus ihrer misslichen Lage befreien konnte. […]

Erschienen: Traumdealer am Abstellgleis

Ektoplasma am Grünstreifen der Tristesse

Geisterjäger an einer Autobahnraststätte. Was läge näher? Die Geschichte muss noch etwas im Speicher meiner Festplatte reifen, ehe ich sie an die werte Leserschaft lasse. Ich freue mich drauf, wenn es soweit ist.

Würde man Orte aufzählen, die sich nicht für ein Dimensionsportal eigneten, stünde der Spülkasten der Rastplatztoilette 4c an der norddeutschen Autobahn A29 wohl unter den Top drei. Geschlagen lediglich vom Erdmittelpunkt und dem Domplatz in Rom. Gut geeignet waren dagegen, Wälder in Nordschweden, wo sich nur hin und wieder ein unschöner Zwischenfall mit einem Elch ereignete, der unter Umständen mit einem grünen Fellpuschel endete.

Bei diesem Spülkasten-Dimensionportal-Ausgang handelte es sich um eine lebensbedrohliche Sackgasse. Das schwarze Gewebeband, dass den Kasten versperrte, war dabei nur kleiner Hinweis, was hinter dem porösen Plastik und dem kalkhaltigem Wasser wartete.

„Wenn ich noch höre einziges Geräusch, dann werde ich dir machen Dampf. Hörst Du?»

Die Stimme von Frederike – nennst Du mich Fred – hatte den schönen osteuropäischen Klang, einer wirklich wütenden Lebensmittelchemikerin, die aktuell nicht in der Lage war ihren Beruf auszuüben, weil die Behörden ihren Abschluss nicht anerkannten. Fred stampfte auf, was den Toilettenwagen zum Wackeln brachte und unmissverständlich ihre Position einer sich auf ihr Ziel zu bewegenden Abrissbirne verdeutlichte. 

Noch nicht erschienen.

Traumdealer am Abstellgleis

traumdealerWas tut man, als Regenbogen-Teddybär, wenn man aufgrund seiner eigenen Feigheit die Liebe seines Lebens verloren hat? Wenn sich die Plüschgesellschaft ungeachtet des eigenen Elends im Scheinwerferlicht von Varietés und Brausebonbonparties vergnügt? Richtig: Sich abwenden und ein Leben am Abstellgleis wählen! Statt den profanen Freuden des Alltags zu folgen, gilt es mit seinen zwei Freunden zu philosophieren und sich auch schon mal dem Drogenrausch hinzugeben. Wäre da nicht diese unglaublich süße Hasendame … Regen ist wieder verliebt, mit Fell und Watte.

Aber kaum hatte sie sein Leben betreten, wurde sie auch schon von Ratten entführt und alles, was die drei Freunde beitrugen, war feige zuzusehen.

Nach langem Zögern und einem ordentlichen Schubs ihrer Dealerin Candy machen sich die drei Eremiten auf den Weg, sie zu retten. Immerhin lockt als Belohnung, neben der Herzensdame, auch eine ganze Stange Schokoladenzigaretten, mit dem Regen im Traumland das Abo seines eigenen Wunschtraums unbegrenzt verlängern könnte. Ein mehr als nur willkommenes Angebot, denn Regens Traum mit dem Haus am Honigsee fängt bereits an, zu bröckeln. Wird es Regen und seinen Freunden gelingen, Hase aus den Fängen der Ratten zu befreien, ehe sie als Nistmaterial endet?

Tauchen Sie mit Selina Haritz ein in die Welt der Drogen, Plüschtiere und unerfüllten Träume. Genießen Sie ein Abenteuer mit Zuckerwattestand und Schokoladenzigaretten. [Leseprobe]

Selina Haritz
Traumdealer am Abstellgleis

Verlag Edition Roter Drache
160 Seiten, 12 x 18 cm, Broschur
ISBN 978-3-946425-12-0
9.95 EUR

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Der Faden des Hauptmanns

Im Sonderband der Steampunk-Chroniken: Ætherwelt erschienen

Balduin ein verarmter Puppenspieler hat sein mühsam gespartes Geld dafür ausgegeben, seinen geliebten Marionetten Augen mit Ætherfarbe malen zu lassen. Sie wirken nun wie lebendig. Der Erfolg seines neuen Theaterstücks gibt ihm recht. Aber warum reißt eigentlich ständig der Faden am Arm des Hauptmanns? … [Leseprobe]

Æther steigt seit der Jahr­hun­dert­wen­de über den Gewäs­sern auf und hat die Welt ver­än­dert. Für die Indus­trie ist er ein Segen, für die Men­schen ein Fluch, denn er ver­än­dert Man­che zu Krea­tu­ren aus Mär­chen und Sagen. Die Men­schen bemü­hen sich, in die­ser ver­än­der­ten und doch so ver­trau­ten Umge­bung ihren Weg zu fin­den — und der Wege gibt es vie­le.

In die­sem Son­der­band der Steam­punk-Chro­ni­ken zei­gen 19 Auto­ren ver­schie­de­ne Facet­ten der fas­zi­nie­ren­den  Æther­welt auf, die eine par­al­le­le His­to­rie des frü­hen 20. Jahr­hun­derts dar­stellt.

Mit Geschich­ten von:

Bri­da Ander­son, Mar­co Ansing, Anja Bagus, Fre­de­ric Bra­ke, André Geist, Mar­cus R. Gil­man, Seli­na Haritz, Ste­fan Holz­hau­er, Fried­rich »Leo« Leon­harts­ber­ger, Dian­dra Lin­ne­mann, Ingo Muhs, David Pawn, Bil­lie Prze­gend­za, Doro­the Rei­mann, Chris­ti­an Reul, Ralf Sand­fuchs, And­rea Schult­eisz, Bea Sei­che und Olaf Stieg­litz.

Vor­wort: Anja Bagus

Hier bestellbar: https://www.anja-bagus.de/shop/

Heimat der Steampunk-Chroniken: http://steampunk-chroniken.de/

Die japanischen Angelegenheiten eines toten Gentlemans

In:  Reiten wir!: Phantastikautoren für Karl May

Ein Abenteuer um ein verfluchtes Räuchergefäß, einem unfreiwilligen Erbe, einem toten Gentleman und jeder Menge Whiskey und Schießpulver. [Leseprobe]

Winnetou und Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar – Karl Mays Helden kennt man noch heute. Aber was wären diese Helden ohne ihre treuen Gefährten, die nicht im Mittelpunkt standen? Was sind ihre Geschichten? Die Vettern Tante Droll, der Westmann in Frauenkleidung und Hobble-Frank, der immer einen Spruch auf den Lippen hatte, waren die Einzigen, die je Winnetou und Old Shatterhand retteten. Ellen, die Tochter Old Firehands und Ribannas, lernte von Winnetou alles, was man als Westfrau im Wilden Westen wissen muss. Diese Anthologie erzählt ihre Geschichten, voller Abenteuer, Spannung, Humor und Tragödien.

Kein anderer Autor hat so viele Leser in eine Welt voller Abenteuer und Freundschaft versinken lassen, seine Geschichten und die Sehnsucht nach Abenteuern füllen noch heute die Freilichtbühnen und Westernstädte Deutschlands. Zu seinem 175. Geburtstag setzen Autoren der Phantastik Karl May ein Denkmal und bedanken sich für ihre Zeit und Inspiration in seinen Welten. Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter, denn alle Künstler spenden ihre Tantieme an das Karl-May-Museum in Radebeul zum Erhalt der Sammlung.

Mit Geschichten von Tommy Krappweis, Iris Kammerer, Christian von Aster, Oliver Hoffmann, Anja Bagus, Ulff Lehmann, Gerd Scherm, Isa Theobald, Robin Gates, Oliver Graute, Katja Ostehr, Hermann Ritter, Selina Haritz u.v.m.

Alex Jahnke (Hrgs.)
Reiten Wir! Phantastikautoren für Karl May
Verlag: Edition Roter Drache;
Auflage: 1
ISBN-10: 3946425321

Brennende Buchstaben 2016

Bericht aus der Lesung “Brennende Buchstaben ’16” in SecondLife

Samstag Abend, 21 Uhr. Vorab mit Lokis Boss und dessen Eltern gegrillt, ein bißchen Weißwein getrunken und dann pünktlich eingeloggt.

Technik wäre ja nicht Technik, wenn alles – trotz mehrfacher Testphase – problemlos laufen würde. So startete ich ein wenig verspätet nach einem Neustart und etwas mehr Wein in meine Lesung. Das Publikum war zahlreich erschienen (Krass!!! 30 Leute!!! Wie cool!) und hatte sich im virtuellen Raum verteilt. Anja Bagus und Thorsten Küper begleiteten meine Lesung, indem sie einige der Rollen übernahmen und ihnen Leben einhauchten.

Einen kleinen Ausschnitt gibt es hier zu hören (Wir befinden uns mitten in einer Szene, wo Theobald die Giraffe dem Regenbogenbären von seinen Schulden erzählt):

Es lief alles glatt! Ich habe stotterfrei ‘Polyvinylchlorid’ sagen können und auch keinen (lauten) Lachkrampf bekommen, als Thorsten voller Inbrunst den Hustenanfall des greisen Plüschpanthers immitierte. Sogar die Interviewfragen habe ich halbwegs sinnvoll beantworten können.

Am nächsten Tag war Claire so lieb und hat mit mir (also meinem Avatar) noch ein paar Bilder in dem Setting geschossen, dass jetzt wohl schon nicht mehr exisitert.

Mein Fazit: Ein super Einstieg in das Thema “Autorenlesung”. Gemeinsam mit anderen seinen eigenen Text zu lesen war spannend, denn so haben die Charaktere noch ein wenig mehr Charakter bekommen.

Gerne wieder.